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Stoßwellentherapie bei pulmonaler Hypertonie: Fallbericht zur Verbesserung der Rechtsherzfunktion

Autorenbild: Dr. med. Christian Meyer
Dr. med. Christian Meyer
29. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Okt.


Signifikante Verbesserung der rechtsventrikulären Funktion durch kardiale Stoßwellentherapie (CSWT) bei idiopathischer pulmonaler Hypertonie mit RV-Dilatation.


Über den Autor 

Dr. med. Christian G. Meyer, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Spezielle kardiovaskuläre Prävention, Kardiopulmonale Leistungsdiagnostik, Stoßwellentherapie DIGEST e. V.; Schlosspraxen Meyer, Hachenburg 

Datum: 04.08.2026 


Was zeigt dieser Fallbericht?

Berichtet wird über eine 34-jährige Patientin mit idiopathischer pulmonaler Hypertonie (IPAH) und konsekutiver rechtsventrikulärer (RV) Dilatation, bei der unter leitliniengerechter optimaler medikamentöser Therapie (OMT) über ein Jahr keine wesentliche Befundbesserung erzielt werden konnte. Nach dreimaliger kardialer Stoßwellentherapie (CSWT) zeigte sich echokardiographisch eine signifikante Verbesserung des RV-Strain von −22 % auf −30 % sowie eine Zunahme der Gehstrecke von 200 m auf 400 m ohne Herzfrequenzanstieg über 160/min. In der weiteren Verlaufskontrolle stiegen VO2 max von 1,70 auf 1,84 l/min und der Sauerstoffpuls von 1 auf 12 ml/Schlag; klinisch bewältigt die Patientin nun eine Meile in 13 Minuten. Der Fall veranschaulicht CSWT als mögliche additive, nicht-invasive Therapieoption bei therapierefraktärer RV-Dysfunktion im Rahmen pulmonaler Hypertonie. 


Was ist idiopathische pulmonale Hypertonie (IPAH) und welche Rolle spielt die Stoßwellentherapie?

Die idiopathische pulmonale Hypertonie (IPAH) ist gekennzeichnet durch einen progredienten Anstieg des pulmonalarteriellen Drucks, der über eine chronische Nachlasterhöhung zur Dilatation und Funktionseinschränkung des rechten Ventrikels führt. Der RV-Funktionszustand gilt als wesentlicher prognostischer Faktor. Trotz leitliniengerechter medikamentöser Therapie erreicht ein relevanter Teil der Patienten keine ausreichende Verbesserung der RV-Funktion und der körperlichen Belastbarkeit. Die kardiale Stoßwellentherapie (CSWT) wird als nicht-invasives, additives Therapieverfahren diskutiert, dem u. a. angiogene und myokardprotektive Effekte zugeschrieben werden. Der vorliegende Fallbericht beschreibt den Verlauf einer Patientin mit IPAH und RV-Dilatation vor und nach dreimaliger CSWT-Behandlung. 


Gerät für kardiale Stoßwellentherapie (CSWT) von Storz Medical mit Applikator-Arm und Ultraschall-Monitor im Behandlungsraum
Gerät für kardiale Stoßwellentherapie (CSWT) von Storz Medical mit Applikator-Arm und Ultraschall-Monitor im Behandlungsraum

Ausgangslage: Warum wurde die Stoßwellentherapie eingesetzt? 

Vorgestellt wird eine zum Untersuchungszeitpunkt 34-jährige Patientin mit bekannter idiopathischer pulmonaler Hypertonie und rechtsventrikulärer Dilatation. Unter der bestehenden leitliniengerechten optimalen medikamentösen Therapie (OMT) hatte sich im Verlauf eines Jahres keine wesentliche Befundverbesserung eingestellt. Im März 2026 erfolgte die Durchführung von drei Sitzungen kardialer Stoßwellentherapie (CSWT). Die aktuelle Wiedervorstellung und Verlaufskontrolle fand am 21.07.2026 statt. 

Medikation zum Vorstellungszeitpunkt: 

● Kombinationspräparat, 1 Tablette abends, Einnahme seit Oktober 2024 (unverändert unter OMT) 


Wie war der klinische Befund bei der Wiedervorstellung (21.07.2026)?

Wacher, bewusstseinsklarer, vollständig orientierter Allgemeinzustand, normalgewichtiger Ernährungszustand. Herztöne normofrequent, rein und rhythmisch. Auskultatorisch vesikuläres Atemgeräusch über allen Lungenfeldern, keine Rasselgeräusche. Abdomen weich, unauffällig. Periphere Pulse beidseits regelrecht tastbar. Neurologischer und psychischer Befund unauffällig, kein Hinweis auf Denk- oder mnestische Störung. 


Welche Untersuchungen wurden durchgeführt?


Blutdruck (zentralaortale Pulswellenanalyse, BD-Spot) 

Brachial

115 / 65 mmHg 

Zentral (aortal) 

111 / 48 mmHg 

Pulswellengeschwindigkeit (PWV) 

4,2 m/s 

Geschätztes Arterienalter 

25 Jahre 


Spirometrie 

IVC 2,71 l (73 % Soll), FVC 2,88 l (77 % Soll), FEV1 2,57 l (82 % Soll); Belastungstest: IVC 2,30 l (62 %), FVC 3,13 l (84 %), FEV1 2,79 l (90 %). Beurteilung nach GLI-Referenzwerten: Hinweis auf leichte restriktive Ventilationsstörung. 


Ruhe-EKG 

Normofrequenter Sinusrhythmus, Herzfrequenz 69/min, Steiltyp (Achse 70°), PQ 138 ms, QRS 84 ms, QTc 447 ms, unauffälliges Erregungsrückbildungsmuster. Kein Ischämiehinweis in der Vektorkardiographie. 


Pulsoxymetrie 

Periphere Sauerstoffsättigung 97 % unter Raumluft. 


Echokardiographie: Wie hat sich die rechte Herzkammer verändert?

Parameter

Vor CSWT (02/2026) 

Nach CSWT (heute) 

RV Basis 

5,9 cm 

4,9 cm 

RV mittig 

5,2 cm 

4,5 cm 

RV apikal 

2,4 cm 

— 

RV Strain (Speckle Tracking, GLS) 

− 22 % 

− 30 % 


Ergänzende Befunde der aktuellen Untersuchung: Linker Ventrikel normal groß mit normaler systolischer Funktion, ohne regionale Wandbewegungsstörung, gute longitudinale Kontraktion. Linker Vorhof, rechter Vorhof und rechter Ventrikel normal groß. Leichtgradige Mitralklappeninsuffizienz. Trikuspide Aortenklappe mit guter Klappenseparation, Aorta ascendens normkalibrig. Kein Perikarderguss, keine Pleuraergüsse, keine Thromben transthorakal nachweisbar, keine diastolische Dysfunktion. 


Wie hat sich die körperliche Belastbarkeit entwickelt?

VO2 max (4 Wochen post CSWT) 

1,7 l/min (30 ml/min/kg) 

Peak-Laktat 

12,2 mmol/l 

Belastungsstufe 

50–60 Watt 

Gehstrecke vor CSWT 

200 m 

Gehstrecke nach CSWT 

400 m, ohne Herzfrequenzanstieg über 160/min 

VO2 max, Verlaufskontrolle (03.08.2026) 

Anstieg von 1,70 l/min auf 1,84 l/min 

Sauerstoffpuls, Verlaufskontrolle (03.08.2026) 

Anstieg von 1 auf 12 ml/Schlag 

Gehleistung, Verlaufskontrolle (03.08.2026) 

1 Meile (ca. 1,6 km) in 13 Minuten 


Spiroergometrie: Wie belastbar ist die Patientin heute? (03.08.2026) 

Fahrradergometrische Ausbelastung, submaximal belastet: 

Maximale Belastung 

134 Watt, Laststufe 5 bei 09:36 min (100 % von Soll) 

Metabolisches Äquivalent (MET) 

9,2 

Herzfrequenz in Ruhe 

84 /min 

Maximale Herzfrequenz 

163 /min bei Laststufe 5, 09:36 min (98 % von Soll) 

ST-Streckenverhalten 

Max. ST-Hebung Kanal aVR 1,36 mV (Laststufe 4); max. ST-Senkung Kanal I −1,51 mV (Laststufe 4) 

Die Auswertung wurde am 03.08.2026 mit der Patientin besprochen, die Befunde wurden ihr direkt mitgegeben. 


Wie wurde die Patientin behandelt?

Nach Ausschöpfung der leitliniengerechten optimalen medikamentösen Therapie (OMT) ohne ausreichenden Effekt über einen Zeitraum von einem Jahr erfolgte im März 2026 die additive Behandlung mit dreimaliger kardialer Stoßwellentherapie (CSWT). Die bestehende medikamentöse Therapie wurde unverändert fortgeführt. 


Welche Ergebnisse zeigte die Stoßwellentherapie?

In der echokardiographischen Verlaufskontrolle zeigte sich eine signifikante Verbesserung der rechtsventrikulären Funktion mit Rückgang der RV-Diameter (Basis 5,9 → 4,9 cm; mittig 5,2 → 4,5 cm) und Verbesserung des RV-Strain von −22 % auf −30 %. Klinisch berichtete die Patientin über eine Zunahme der beschwerdefreien Gehstrecke von 200 m auf 400 m, nunmehr ohne Anstieg der Herzfrequenz über 160/min. Die übrige kardiopulmonale und laborchemische Diagnostik (Spirometrie, Ruhe-EKG, Pulsoxymetrie, zentralaortale Blutdruckmessung) zeigte keine Hinweise auf eine relevante Verschlechterung der kardiopulmonalen Gesamtsituation. 

In der weiteren Verlaufskontrolle vom 03.08.2026 bestätigte sich die klinische Besserung: Die VO2 max stieg von 1,70 l/min auf 1,84 l/min, der Sauerstoffpuls von 1 auf 12 ml/Schlag. Die spiroergometrische Ausbelastung erreichte 134 Watt (100 % von Soll, MET 9,2) bei submaximaler Belastung ohne Nachweis einer relevanten Ischämiereaktion. Die Patientin bewältigt aktuell eine Gehstrecke von einer Meile (ca. 1,6 km) in 13 Minuten. 


Wie sind die Ergebnisse einzuordnen? 

Der beschriebene Verlauf zeigt eine deutliche Verbesserung der RV-Funktion und der körperlichen Belastbarkeit nach additiver kardialer Stoßwellentherapie bei einer Patientin, die unter alleiniger leitliniengerechter medikamentöser Therapie über ein Jahr keine wesentliche Besserung erfahren hatte. Die Befundkonstellation – Rückgang der RV-Diameter, Zunahme des RV-Strain um acht Prozentpunkte sowie Verdopplung der Gehstrecke bei stabiler Herzfrequenz – ist mit den in der Literatur beschriebenen angiogenen und myokardprotektiven Effekten der CSWT vereinbar. Einschränkend ist zu berücksichtigen, dass es sich um die Beobachtung eines Einzelfalls ohne Kontrollgruppe handelt und ein Placebo- bzw. Zeiteffekt nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Die Ergebnisse sind daher als hypothesengenerierend zu werten und sollten durch kontrollierte Studien mit größeren Fallzahlen überprüft werden. 


Fazit: Kann die Stoßwellentherapie bei pulmonaler Hypertonie helfen?

Bei therapierefraktärer RV-Dysfunktion im Rahmen pulmonaler Hypertonie kann die kardiale Stoßwellentherapie als additives, nicht-invasives Verfahren eine relevante Verbesserung der rechtsventrikulären Funktion und der körperlichen Leistungsfähigkeit bewirken. Weitere kontrollierte Untersuchungen zur Bestätigung dieser Beobachtung sind erforderlich. 


Einverständniserklärung 

Die schriftliche Einwilligung der Patientin zur anonymisierten Verwendung ihrer klinischen Daten für diesen Fallbericht liegt vor. 


Interessenkonflikte 

Der Autor erklärt, dass keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Fallbericht bestehen. 


Dr. med. Christian G. Meyer 

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie · Schlosspraxen Meyer, Hachenburg 



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